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Amnesty International: Zwei 17 Jahre alte Jungen im Iran ausgepeitscht und geheim hingerichtet

NWRI- Die iranischen Machthaber ließen zwei Jungen unter 18 auspeitschen und dann geheim hinrichten. Amnesty Internation wies auf diesen Fall der Verachtung der internationalen Gesetze und der Rechte von Kindern hin. 

Die Menschenrechtsgruppe gab am 29. April 2019 bekannt, dass Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat, zwei Cousins, am 25. April im Adelabad Gefängnis in Shiraz (Provinz Fars) hingerichtet wurden. Beide waren zum Zeitpunkt der Verhaftung 15 Jahre alt.

Laut der Informationen, die Amnesty International erhalten hat, wussten die beiden Teenager nicht, dass sie hingerichtet werden und sie haben dies erst kurz vor der Hinrichtung erfahren. Auf ihren Körpern waren Zeichen von Auspeitschungen zu finden, die vor ihrem Tod erfolgt sein müssen. Ihre Familien und ihre Anwälte wurden vor ihrer Hinrichtung nicht informiert und sie sind nun über die Nachrichten schockiert, die sie erhalten haben.

„Die iranischen Machthaber haben wieder einmal bewiesen, in welch kranker Art und Weise sie Kinder hinrichten lassen und damit verletzen sie in schwerster Form die internationalen Gesetze. Es scheint so, als haben sie die zwei Jungen zwei Jahre lang im Dunkeln über ihre Hinrichtung gelassen. Sie haben sie in den letzten Momenten ihres Lebens auspeitschen lassen und dann geheim ihre Hinrichtungen durchführen lassen“, sagte Philip Luther, der Direktor für den Mittleren Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

„Der Einsatz der Todesstrafe für Menschen, die zum Zeitpunkt des Verbrechens unter 18 Jahre alt waren, ist unter den internationalen Menschenrechten strikt verboten und stellt eine schwere Verletzung der Rechte von Kindern dar. Es ist mehr als überfällig, dass das iranische Parlament diesem Treiben ein Ende bereitet und im Strafrecht ein Verbot der Verhängung der Todesstrafe gegen jeden verankert, der zum Zeitpunkt des Verbrechens unter 18 Jahren alt war.“

Das iranische Regime bleibt die Nummer 1 unter den Hinrichtern von Kindern in der Welt. Als Teil der Konvention über die Rechte von Kindern und der internationalen Konvention der zivilen und politischen Rechte ist der Iran rechtlich verpflichtet, jeden unter 18 als Kind anzusehen und dass dies niemals zum Tode oder einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden darf.

Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat wurden als Jugendliche seit 2017 in einem Umerziehungslager in Shiraz fest gehalten. Am 24. April kamen sie ins Adelabad Gefängnis, wohl ohne zu wissen, warum die Verlegung erfolgte. Am selben Tag durften die Angehörigen sie besuchen, aber niemandem wurde gesagt, dass sie dort auf ihre Hinrichtung vorbereitet werden.

Am 25. April erhielten die Familien plötzlich einen Anruf von der Organisation für Rechtsmedizin im Iran, einem staatlichen forensischem Institut. Dort sagte man ihnen, dass die beiden hingerichtet worden sind und dass sie ihre Leichen dort abholen sollen.

Die beiden Jungen wurden in einem unfairen und die Rechte des Jugendstrafrechts verletzendem Prozeß wegen Vergewaltigung verurteilt. Nach ihrer Verhaftung wurden sie zwei Monate in einem Verhörzentrum der Polizei fest gehalten, wo sie geschlagen und mißhandelt wurden, sagt Amnesty International. Sie hatten während dieser Zeit keinen Zugang zu einem Anwalt.

Die Praxis des Verhörens von Kindern durch die Polizei unter Abwesenheit eines Erziehungsberechtigten oder eines Anwaltes verstößt die Konvention der Rechte von Kindern. Kinder müssen darin in einem Konflikt mit dem Gesetz die Möglichkeit zur rechtlichen Unterstützung bekommen.

Amnesty International hat bereits die Hinrichtung von 97 Personen aufgezeigt, die im Iran zum Zeit des Verbrechens unter 18 waren. Die Daten beziehen sich auf den Zeitraum von 1990 – 2018. 90 weitere Kinder stehen unter dem Risiko einer Hinrichtung.

Der Fakt, dass die Hinrichtungen von Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat geheim vollzogen wurden, damit Amnesty International und andere Gruppen den Fall nicht vorher bekannt machen konnten, lässt die Sorgen der Menschenrechtsorganisation steigen, dass es weit höhere Zahlen gibt, als diejenigen, die veröffentlicht wurden. Die Jugendlichen, die zur Zeit auf ihre Hinrichtung warten, könnten ebenfalls geheim hingerichtet werden, damit ihre Fälle auf nicht so viel öffentliche Aufmerksamkeit stoßen und diese nicht zu öffentlichen Kampagnen und anderen Maßnahmen führen.

„Wir stellen einen Trend fest, dass die iranischen Behörden vermehrt Jugendliche geheim hinrichten lassen und ihre Angehörigen vorher nicht darüber informieren. Dies macht den Einsatz von einflußreichen internationalen Akteuren wie die EU noch dringender. Sie müssen ihre diplomatischen und öffentlichen Interventionen erhöhen, um Druck auf den Iran auszuüben, damit dieser die Todesstrafe gegen Jugendliche beendet“, sagte Philip Luther.

Viele Jugendlich warten bereits sehr lange auf ihre Hinrichtung – in machen Fällen mehr als ein Jahrzehnt. Bei einigen wurden mehrmals angesetzte Hinrichtungen wieder aufgehoben und damit wird ihre Qual noch einmal erhöht. Gerade bei diesen Gefangenen ist die Gefahr von schweren Angsterkrankungen und mentalem Stress besonders hoch und sie muss als grausame, inhumane und degradierende Behandlung angesehen werden.

Der Einsatz der Todesstrafe für Vergewaltigungen ist nach internationalem Recht verboten. Der Einsatz der Todesstrafe wird unter ihm nur unter den schwersten Verbrechen erlaubt, in denen absichtliche Tötungen durchgeführt wurden.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe durch einen Staat in allen Fällen ohne Ausnahme ab, egal welche Natur das Verbrechen und welche Charakteristika ein Täter hat. Die Todesstrafe ist für sie eine Verletzung des Rechts auf Leben und eine ultimative, grausame, inhumane und degradierende Bestrafung.