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Bundesregierung fordert „unverzügliche“ Freigabe vom britischen Tanker im Iran

Quelle: WeltOnline – Am Golf von Oman spitzt sich die Lage zu: Der Iran hat den britischen Öltanker „Stena Impero“ unter der Kontrolle Teherans, die Besatzung sitzt fest. Deutschland schaltet sich mit Nachdruck in den Konflikt ein.

Nach neuen Zwischenfällen in der Straße von Hormus spitzt sich die Krise zwischen der Regionalmacht Iran und dem US-Verbündeten Großbritannien zu. Der Iran beschlagnahmte am Freitag innerhalb kurzer Zeit zwei britische Tanker – einer davon konnte seine Fahrt später wieder fortsetzen.Der Öltanker„Stena Impero“ befindet sich jedoch noch unter der Kontrolle Teherans. Die Besatzung des Tankers dürfe das Schiff bis Ende der Untersuchungen nicht verlassen, hieß es am Samstag. Das gab ein Sprecher der Hafenbehörde in Bandar Abbas in Südiran bekannt. Von den 23 Besatzungsmitgliedern seien 18 aus Indien und fünf aus Russland, den Philippinen und Lettland, sagte der Sprecher Morad Afifipur der Nachrichtenagentur Isna.

Der Tanker sei am Freitag nach einer Kollision mit einem Fischereischiff einfach weitergefahren, sagte Afifipur. Daraufhin habe das Fischereischiff die Behörden im Iran verständigt. Der Tanker sei dann im Einklang mit dem Seerecht gestoppt und nach Bandar Abbas eskortiert worden. Dort liefen nun die Untersuchungen.

Deutschland und Frankreich fordern Freigabe des Tankers

Die Bundesregierung forderte den Iran zur „unverzüglichen“ Freigabe des Tankers auf. Das Auswärtige Amt in Berlin rief den Iran am Samstag „nachdrücklich“ auf, die „Stena Impero“ und ihre Besatzung „unverzüglich freizugeben“. „Eine weitere regionale Eskalation wäre sehr gefährlich“, erklärte ein Ministeriumssprecher. Auch Frankreich verlangte die Freigabe des Schiffes.Der britische Außenminister Jeremy Hunt hatte der Führung in Teheran zuvor mit „sehr ernsten Konsequenzen“ gedroht, sollte sie nicht auch den zweiten Tanker bald freigeben. In einem Interview des Senders Sky News sagte er aber auch, militärische Optionen würden nicht erwogen. „Wir halten nach einem diplomatischen Weg Ausschau, um diese Situation zu lösen.“Hunt erklärte vor einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (Cobra) in London, er habe mit US-Außenminister Mike Pompeo über die Situation gesprochen. Nach der Sitzung teilte ein Regierungssprecher mit, dass allen britischen Schiffen dazu geraten werde, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer bis auf Weiteres zu meiden.

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft.Das US-Militär teilte mit, es habe Aufklärungsflugzeuge im Einsatz, um die Lage in der Straße von Hormus zu beobachten. Die Flugzeuge operierten im internationalen Luftraum. Man stehe zudem in Kontakt mit US-Schiffen in der Gegend, um deren Sicherheit zu garantieren.Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten nach eigenen Angaben zunächst den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ in der Straße von Hormus gestoppt und in Richtung iranische Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Die schwedische Reederei „Stena Bulk“, der das Schiff gehört, teilte dagegen mit, der Tanker habe sich an sämtliche internationale Vorschriften gehalten.

Laut den Behörden in der südiranischen Provinz Hormusgan wurde die „Stena Impero“ in den Hafen der Stadt Bandar Abbas eskortiert. Der Tanker habe sein GPS-Signal ausgeschaltet und sei vom südlichen Teil der Straße von Hormus, der nur für den Ausgang der Schiffe vorgesehen ist, in die Meerenge eingefahren, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim.Das Schiff habe damit eine Kollision mit anderen Schiffen riskiert. Dies verstoße gegen die maritimen Vorschriften am Golf. Außerdem solle der Tanker auch umweltschädigende Materialien an Bord haben, die derzeit von der Umweltbehörde in Bandar Abbas untersucht würden.Das schwedische Schiffsunternehmen teilte mit, mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber hätten sich genähert, als der Tanker in internationalen Gewässern kreuzte. Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die „Stena Impero“ gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormus passiert hatte. Das Schiff war unterwegs vom Hafen Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung al-Dschubail in Saudi-Arabien.

Kurz darauf wurde auch der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker „Mesdar“ des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK in Richtung Iran abgedrängt. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde die „Mesdar“ bald darauf aber wieder freigegeben. Nach dreieinhalb Stunden sei die Kommunikation mit der Besatzung wiederhergestellt worden.Die bewaffneten Sicherheitskräfte hätten das Schiff wieder verlassen, und die „Mesdar“ könne die Reise fortsetzen. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete, die Besatzung sei routinemäßig von der iranischen Marine über die Umweltvorschriften im Persischen Golf aufgeklärt worden und anschließend weitergefahren.

Die Spannungen in der Region hatten sich in den vergangenen Monaten immens verschärft. Die Handelsschifffahrt wurde in den Konflikt zwischen den USA und dem Iran hineingezogen. Es kam zu mehreren Zwischenfällen mit Tankern und Drohnen.US-Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Teheran widersprach. Großbritannien und der Iran streiten zudem über einen in Gibraltar festgesetzten iranischen Öltanker.Nach den Vorfällen am Freitag kündigte Trump an, sich eng mit Großbritannien abstimmen zu wollen. Er betonte aber auch, dass die USA nicht viele Tanker hätten, die in dem Seegebiet unterwegs seien. Die Vereinigten Staaten treiben derzeit eine Initiative namens „Operation Sentinel“ zum Schutz von Handelsschiffen in der Region voran. Dabei soll es vor allem darum gehen, die Straße von Hormus mit erhöhter Militärpräsenz in der Region besser zu überwachen.

Das US-Zentralkommando betonte am Freitag, die USA seien zwar gewillt, die Operation zu unterstützen, ohne Beiträge anderer Länder werde sie aber keinen Erfolg haben.Das US-Militär kündigte am Freitagabend zudem an, Soldaten nach Saudi-Arabien zu schicken. Der Schritt diene als zusätzliche Abschreckungsmaßname und dazu, die Streitkräfte und Interessen der USA in der Region vor Bedrohungen zu schützen. US-Medien hatten zuvor darüber berichtet, dass es sich um bis zu 500 Soldaten handeln solle.