Atomprogramm

Der Atomdeal mit Iran ist am Scheideweg

 Die USA wollen das Abkommen nochmals überprüfen lassen. Oppositionelle Iraner im Exil berichten von geheimen Atomwaffenprogrammen im Militärkomplex Parchin.
Von Duygu Özkan
Die Presse – Wien/Teheran. Das Atomabkommen mit dem Iran hatte auch schon einen besseren Ruf. Washingtons Außenminister Rex Tillerson sagte jüngst, dass der Deal ein Fehler gewesen sei, da er den Aufstieg des Iran als Nuklearmacht nicht verhindern könne. Dabei dürfte ein neuer Bericht des im Exil wirkenden Nationalen Widerstandsrates Iran der US-Regierung zupass kommen, der Freitagabend in Washington veröffentlicht wurde.
Keine Kontrolle der Atombehörde
Dem Report zufolge arbeitet Teheran heimlich an Atomwaffen, und zwar in einer als Forschungszentrum getarnten Anlage in Parchin südöstlich von Teheran. Das Areal stehe unter Kontrolle des Verteidigungsministeriums und sei nur für eine Handvoll Menschen zugänglich, die zuerst in anderen Gebäuden tätig waren, nach Abschluss des Atomdeals aber ihre Tätigkeit in diesen streng bewachten Komplex verlegt hätten.
Der Widerstandsrat listet rund ein Dutzend Namen iranischer Experten auf, die an dem geheimen Programm beteiligt sein sollen – Details, wie das Programm aussehen könnte, werden nicht angeführt. Da die Internationale Atomenergiebehörde IAEA das Areal nicht überprüfen könne, setze das Regime sein Programm hier ungestört um, heißt es im Bericht. Parchin ist ein Militärkomplex, daher haben IAEA-Experten keinen Zugang. Die Verfasser des Berichtes berufen sich auf ihr Netzwerk innerhalb des iranischen Verwaltungsapparates.
Es ist nicht das erste Mal, dass das streng abgeschirmte Areal Parchin als blinder Fleck des iranischen Atomprogrammes lokalisiert wird. Hier sollen beispielsweise Atomtests simuliert worden sein, Satellitenbilder zeugen von der Existenz eines Tunnels. Unabhängig vom Atomdeal fordert die IAEA bereits seit geraumer Zeit Zugang zum Militärkomplex. Vor zwei Jahren hat die Atombehörde zwar Zutritt bekommen, allerdings nur mit iranischer Begleitung. Auch haben die internationalen Experten nicht selbst Proben entnommen, sondern nur ihre iranischen Kollegen. Zu den jüngsten Berichten gab es von der IAEA vorerst keine Stellungnahme.