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Iran Vertuschte die Epidemie?

NWRI-

Frankfurter Allgemeine Zeitung – Die iranische Regierung hat die Verbreitung des CoronAavirus mehr als zwei Wochen lang vertuscht. Das geht aus Krankenhausakten hervor, die dem oppositionellen „Nationalen Widerstandsrat Iran“ zugespielt wurden und die dieser Zeitung vorliegen. Erstmals hatte Iran am 19. Februar bekanntgegeben, dass sich in der Stadt Qom zwei Personen mit dem Virus infiziert hätten. Noch am selben Abend wurde ihr Tod mitgeteilt. Die Dokumente erhärten den Verdacht, dass Iran die Verbreitung des Coronavirus geheim gehalten hat, um bei der Parlamentswahl am 14. Februar eine möglichst hohe Wahlbeteiligung zu erreichen.

Ausgestellt wurden die Dokumente, deren Echtheit nicht bestätigt ist, vom „Nationalen Notrufdienst“ der Provinz Teheran. Sie betreffen sechs Patienten, die demnach vom 3. bis zum 7. Februar mit dem Verdacht auf eine Sars-CoV-2-Infektion in die Notaufnahmen von drei Krankenhäusern in Teheran eingeliefert worden sind. Bei den sechs Patienten handelte es sich um männliche iranische Staatsbürger im Alter von 24 bis 38 Jahren. Bei einem Patienten ist ausdrücklich vermerkt, dass er seit mehreren Tagen über einschlägige Symptome klage.

Angegeben sind auf den Dokumenten jeweils eine Einlieferungsnummer, das Datum und die Uhrzeit der Einlieferung sowie der Name, das Alter und die Adresse des Patienten. Darauf folgen die Erkennungsnummern der betreuenden Ärzte und die Symptome der in die Notaufnahme eingelieferten Patienten. Bei allen sind Fieber, Atemnot – teilweise sogar eine akute – und der Verdacht auf Infektion mit dem Coronavirus angegeben.

Auf einem Dokument ist zudem vermerkt, dass sich das Krankenhauspersonal durch Schutzkleidung schützt. Unter den ersten erbrachten Leistungen erscheinen Blutuntersuchungen sowie Sauerstoffzufuhr und Atemhilfen.

Sofern die Dokumente echt sind, belegen sie erstmals, dass die iranische Regierung weit früher als zugegeben von der Verbreitung des Coronavirus gewusst hat, jedoch zu spät zu handeln begonnen hat.

Der „Nationale Widerstandsrat Iran“, der aus den Volksmudschahedin hervorgegangen ist und seinen Sitz in Paris und Albanien hat, gibt zudem Zahlen der Corona-Infizierten und Todesfälle in Iran bekannt, die über denen der iranischen Regierung liegen.

Am Sonntag bezifferte das Gesundheitsministerium die Zahl der Infizierten mit 38 309 und die Zahl der Todesopfer mit 2640. Demgegenüber spricht der „Nationale Widerstandsrat“ auf der Grundlage von Angaben der Krankenhäuser und Leichenhallen sowie internen Berichten von Ärzten von 13 000 Toten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet ebenfalls mit Zahlen, die um das Fünffache über den offiziellen Werten liegen könnten.

Präsident Hassan Rohani verteidigte die Politik seiner Regierung. Iranischen Medien zufolge sagte er bei einer Sitzung des Kabinetts, es gebe Schritt für Schritt eine Besserung. In einigen Provinzen seien die Spitzenwerte bereits überschritten worden. Trotz allem Leid festige der Kampf gegen das Virus die nationale Einheit. Seine Regierung müsse die Pandemie ebenso bekämpfen, wie sie die Wirtschaft zu schützen habe.