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Todesfälle in iranischen Gefängnissen

NWRI – Es gab in den letzten Wochen eine Reihe von suspekten Todesfällen in iranischen Gefängnissen, die eine Menge internationale Aufmerksamkeit erlangten und welche die Kritik am Umgang des iranischen Regime mit seinen Gefangenen steigen ließ. Doch was steckt dahinter?

Das iranische Regime hat lange Zeit diese Todesfälle als Selbstmord bezeichnet, doch die Wahrheit sind entweder ein Negieren der Fakten oder Abwehrmechanismen des Regimes. Viele der Opfer sind politische Gefangene, die unter der Folter ermordet wurden und das Märchen vom Selbstmord diente zwei Gründen: Das Vertuschen der Fehler des Regimes und das Ablenken von der Aufmerksamkeit des eigentlichen Grundes der Aktivitäten der politischen Gefangenen.

Schauen wir uns einige Fälle einmal genauer an.

Saeed Imami, der stellvertretende Geheimdienstminister unter dem früheren Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, war der Hauptangeklagte in einer Serie von Ermordungen von Schriftstellern und politischen Aktivisten in den 90er Jahren. Kurz nach seiner Verhaftung gab man bekannt, dass er Selbstmord im berüchtigten Evin Gefängnis begangen hat.
Dies lenkte die Aufmerksamkeit von den anderen Mördern ab und gab den Mullahs die Chance für einen Sündenbock, egal ob er der wahre Hauptschuldige war oder nicht.
Zahra Kazemi, eine iranisch – kanadische Journalistin, berichtete 2003 über die Studentenproteste vor dem Evin Gefängnis. Sie wurde 18 Tage später verhaftet und das Regime gab bald darauf bekannt, dass sie aufgrund eines Schlaganfalls gestorben sei.
Die Beweise zeigten später, dass die schwer geschlagen und vergewaltigt worden war. Das sendete eine Nachricht an die Journalisten und Demonstranten und es lenkte von den Protesten und deren Gründen ab.
Mohsen Ruholamini, Mohammad Kamrani und Amir Javadifar wurden während der Aufstände von 2009 am 9. Juli verhaftet. Innerhalb einer Woche sollen alle drei Selbstmord begangen haben.
Ihre Todesfälle lenkten von den Protesten ab und sendeten eine Nachricht an die Demonstranten.
Hoda Rezazadeh Saber, eine Journalistin, ging 2011 in den Hungerstreik, um gegen den suspekten Tod des Aktivisten Hale Sahabi bei der Beerdigung seines Vaters zu protestieren. Sie starb neun Tage später wegen Herzproblemen.
Wieder lenkte ihr Tod die Öffentlichkeit von den Gründen der Ermordung der Sahabis ab.
Sattar Beheshti, ein Blogger, starb 2012 aufgrund fabrizierter Fälle der Gefährdung der nationalen Sicherheit über Facebook. Er starb vier Tage später.
Das Regime jagte seine Familie durch eine Reihe immer komplizierter Gerichtsfälle, um die Vorgänge zu verwischen und den Fakt zu vertuschen, dass Beheshti unter der Folter ermordet wurde.
Sina Ghanbari, ein Demonstrant der Aufstände von 2017-18 soll sich nur wenige Tage nach seiner Verhaftung erhängt haben, doch das Regime konnte keinerlei Beweise vorlegen, die diese Version stützten.
Das Regime will mit all diesen Fällen von den Proteste und dem Wunsch des Volkes für einen Regimesturz ablenken.
Kavous Seyed Emami, ein iranisch – kanadischer Umweltaktivist und Professor für Soziologie, wurde wegen angeblicher Spionage unter dem Deckmantel der Beobachtung der Tierwelt verhaftet. Er starb nur zwei Wochen später.
Die kanadische Regierung forderte eine Erklärung, doch diese wurde bisher ignoriert und man geht davon aus, dass er im Evin Gefängnis durch eine hohe Dosis von Natriumthiopental vergiftet wurde.

All dies zeigt ein klares Muster des iranischen Regimes. Die Todesfälle in Gefangenenschaft lassen stets die Alarmglocken klingeln. Es scheint aktuell so, als würde es keine Gründe geben, dass wir demnächst von weiteren „Selbstmorden“ in der Öffentlichkeit hören werden, es sei denn, die internationale Gemeinschaft würde den Druck auf den Iran zur Freilassung der politischen Gefangenen erhöhen und sich hinter der Forderung des Volkes zu einem Regimesturz stellen.