Amnesty International fordert sofortiges Handeln: „Die Berichte, die uns erreichen, sind erschütternd. Dass Sicherheitskräfte sogar Krankenhäuser stürmen und gezielt auf unbeteiligte Familien schießen, zeigt, wie skrupellos die iranischen Behörden vorgehen, um jeden Protest im Keim zu ersticken. Die Weltgemeinschaft darf nicht länger zusehen, wie Menschen für ihre Freiheit ihr Leben riskieren, während die Verantwortlichen straffrei bleiben.“

Die Freiheitsproteste im Iran haben sich zu einer landesweiten Volkserhebung gegen die Diktatur ausgeweitet. Menschenrechtsgruppen berichten, dass das iranische Regime mit brutalster Gewalt gegen die Demonstrierenden vorgeht.
In einem Bericht von Amnesty International vom 9. Januar heißt es u.a.:
„Seit über elf Tagen werden die Proteste gewaltsam niedergeschlagen. Hunderte Menschen wurden bereits festgenommen oder erlitten schwere Verletzungen, viele wurden getötet. … Auch griffen Sicherheitskräfte dezidiert Krankenhäuser, einschließlich Patient*innen, deren Angehörige und medizinisches Personal an. In einem besonders schockierenden Vorfall am 4. Januar 2026 umstellten Einsatzkräfte das Imam-Khomeini-Krankenhaus in Ilam. Sie feuerten Tränengas auf das Krankenhaus-Gelände, zerschlugen Glastüren und verprügelten medizinisches Personal sowie Schutzsuchende. Die Anwesenheit von Sicherheitspersonal in Krankenhäusern hielt viele verletzte Demonstrierende vielerorts außerdem davon ab, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wodurch sich das Sterberisiko erhöht hat.“

Bilder von Opfern der tödlichen Gewalt gegen Protestierende im Iran
Nach Angaben von Amnesty International und Human Rights Watch wurden seit dem 31. Dezember 2025 mindestens 28 Demonstrierende und Unbeteiligte, darunter auch Kinder, von Regime-Truppen getötet. Die Tötungen fanden in dreizehn Städten in acht verschiedenen Provinzen statt. Eingesetzt wurden rechtswidrig scharfe Munition, Schrotflinten mit Metallkugeln, Tränengas und Wasserwerfer. Hunderte Menschen wurden willkürlich festgenommen, darunter Kinder und Jugendliche im Alter von nur 14 Jahren.
Dazu erklärte Theresa Bergmann, Iran-Expertin von Amnesty International: „Die Berichte, die uns erreichen, sind erschütternd. Dass Sicherheitskräfte sogar Krankenhäuser stürmen und gezielt auf unbeteiligte Familien schießen, zeigt, wie skrupellos die iranischen Behörden vorgehen, um jeden Protest im Keim zu ersticken. Diese systematische Gewalt ist auch das direkte Ergebnis jahrelanger Straflosigkeit. Die Weltgemeinschaft darf nicht länger zusehen, wie Menschen für ihre Freiheit ihr Leben riskieren, während die Verantwortlichen straffrei bleiben.“
Amnesty International ruft die internationale Gemeinschaft zum sofortigen Handeln auf, um das Blutvergießen im Iran zu stoppen, und fordert:
Sofortiges Ende der Gewalt: Der iranische Staat muss das Blutvergießen unverzüglich stoppen.
Strafverfolgung weltweit: Staatsanwaltschaften auf der ganzen Welt müssen aktiv werden. Nach dem Prinzip der universellen Gerichtsbarkeit (Weltrechtsprinzip) müssen strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen eingeleitet werden.
Haftbefehle: Es müssen weltweit Haftbefehle gegen Personen erlassen werden, gegen die Beweise für eine strafrechtliche Verantwortung vorliegen.
