Teheran: Kriegsrhetorik als Ablenkung vom Niedergang

Teheran hat in den letzten Tagen seine Kriegsrhetorik verschärft. Das ist ein gezielter Versuch, angesichts zunehmender innerer Krisen, zunehmender regionaler Isolation und wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung über Inflation und wirtschaftliche Not Stärke zu demonstrieren. Die klerikale Diktatur fühlt sich zunehmend in die Enge getrieben und startet eine aggressive Kampagne aus Drohungen und Angriffen, um die Moral ihrer zunehmend demoralisierten Kräfte zu stärken.

Hochrangige Politiker und staatsnahe Medien warnen nun offen vor einem Krieg und prahlen mit Raketenkapazitäten und dem Ausbau des Atomwaffenarsenals. Doch hinter diesen hitzigen Äußerungen verbirgt sich ein Regime, das mit seinem Niedergang zu kämpfen hat.

Safavi erklärt „Kriegsstadium“

Yahya Rahim Safavi, der hochrangige Militärberater des Obersten Führers des Regimes, Ali Khamenei, erklärte, der Iran befinde sich de facto „im Kriegsstadium“ mit den USA und Israel und drängte auf eine „Offensivstrategie“ in den Bereichen Diplomatie, Medien, Raketen, Drohnen und Cyber-Operationen: „Wir befinden uns nicht in einem Waffenstillstand, wir befinden uns im Kriegsstadium. Die beste Verteidigung ist der Angriff.

Kayhan warnt vor „Achillesferse“ – wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung

Die von Khameneis Büro herausgegebene Hardliner-Tageszeitung Kayhan versuchte, die öffentliche Stimmung zu manipulieren, indem sie behauptete, der jüngste zwölftägige Konflikt habe weitverbreitete Forderungen nach höheren Militärausgaben ausgelöst. Sie behauptete: „Während einige Teile der Gesellschaft früher die Militärausgaben kritisierten, wurden während des zwölftägigen Krieges Forderungen nach einer stärkeren Abschreckung zu einer weitverbreiteten Forderung.“

Kayhan berief sich sogar auf „inoffizielle Umfragen“, denen zufolge über 60 Prozent der Iraner eine Beschleunigung der nuklearen Abschreckung befürworten. Doch dieses Bild steht im krassen Gegensatz zur Realität. Im ganzen Land zeigen Proteste gegen Wasserknappheit, Stromausfälle, steigende Benzinpreise und ausstehende Löhne die wachsende Wut der Bevölkerung darüber, dass das Regime regionale Abenteuerlust über grundlegende Bedürfnisse stellt.

Analysten argumentieren, dass Kayhans Behauptungen ein gezielter Versuch seien, Zustimmung zu einer verstärkten Militarisierung zu erzeugen, während das Regime mit wachsenden Unruhen im eigenen Land und einem sich verschärfenden wirtschaftlichen Zusammenbruch konfrontiert sei.

Raketendrohungen offenbaren die Angst des Regimes, nicht seine Stärke

Amir Hayat-Moghaddam, Mitglied der parlamentarischen Sicherheitskommission, äußerte einige der bisher extremsten Drohungen des Regimes und prahlte damit, dass der Iran von seinen 2.000 Kilometer vor der US-Küste stationierten Marineplattformen aus Washington D.C., New York und jede europäische Hauptstadt angreifen könne: „Frankreich, Deutschland, Großbritannien und ganz Europa sind in Reichweite.“

 

Doch hinter dieser Großspurigkeit verbirgt sich tiefe Unsicherheit. Militärexperten geben zu, dass die iranischen Streitkräfte im Libanon, in Syrien und im Irak Rückschläge erlitten haben, was die Moral der einfachen IRGC-Einheiten untergräbt. Politiker greifen nun auf eskalierende Drohungen zurück, um nach außen Macht zu demonstrieren und im Inneren den Zusammenhalt zu wahren.

Teherans strategische Ängste

Teherans aggressive Haltung wird zusätzlich durch die Angst vor einer strategischen Einkreisung angeheizt. Der geplante Sangesur-Korridor – eine von den USA unterstützte Transitroute, die Aserbaidschan über Armenien mit Nachitschewan verbindet – würde die iranische Landgrenze zu Armenien abschneiden und die Isolation des Landes verschärfen.

Die regimetreue Tageszeitung Farhikhtegan drängte auf eine Reaktion nach dem „Katar-Modell“und verwies dabei auf den Raketenangriff des Regimes auf den US-Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar am 2. Juli während des zwölftägigen Krieges. Doch dieser Angriff, den Washington später aufgrund der vorausgehenden Koordinierung als symbolischen Charakter abtat, verdeutlichte Teherans begrenzte Fähigkeit zu einer echten Eskalation.

Nach dem vom Weißen Haus vermittelten Friedensabkommen zwischen Aserbaidschan und Armenien befürchtet Teheran nun, dass die USA einen strategischen Korridor festigen und damit seinen Einfluss im Südkaukasus untergraben könnten – was seine Paranoia und sein militaristisches Auftreten weiter nährt.

Die mögliche Wiedereinführung ausgesetzter UN-Sanktionen durch den Snapback-Mechanismus hat die Lage noch dringlicher gemacht. Während einige Politiker die Folgen herunterspielen, warnen Teheran-nahe Medien wie Didban-e Iran vor schwerwiegenden Folgen. Sie könnten zu Einschränkungen der Ölexporte, einer Abschaltung des globalen Bankensystems und sogar zu einer Unterstellung des Iran unter Kapitel VII der UN-Charta führen – ein Schritt, der internationale Zwangsmaßnahmen rechtfertigen könnte.

 

Aggressivität als Symptom des Niedergangs

Die übertriebene Rhetorik der klerikalen Diktatur zeugt von Schwäche, nicht von Stärke. Nach Jahren der Übergriffe sieht sich das Regime nun mit folgenden Problemen konfrontiert:

  • Strategische Verluste im Gazastreifen, in Syrien und im Irak.
  • Zunehmender wirtschaftlicher Zusammenbruch und öffentliche Wut über die Inflation.
  • Vertiefung der Isolation nach den von den USA vermittelten regionalen Abkommen.
  • Die Moral der IRGC und der paramilitärischen Kräfte schwindet.

Mit der Drohung mit Raketen, einer nuklearen Eskalation und Vergeltungsschlägen will Teheran seine Kontrolle zurückgewinnen und seine Basis mobilisieren. Doch diese Demonstrationen offenbaren den schwindenden Einfluss und die innere Fragilität des Regimes. Je mehr seine Macht schwindet, desto lauter werden seine Drohungen.