Menschenrechte

Wie habt ihr meine Schwester und meine Brüder getötet und wo habt ihr sie begraben?

Iran: Wie habt ihr meine Schwester und meine Brüder getötet und wo habt ihr sie begraben?

Erstellt: 22. Oktober 2016

NWRI – Vier Mitglieder ihrer Familie, drei Brüder und eine Schwester wurden hingerichtet für die Unterstützung der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI oder MEK) und sie hat nur ein paar Pakete mit deren Habseligkeiten erhalten. Ihre Schwester und einer ihrer Brüder wurden im Verlauf des Massakers von 1988 an 30.000 politischen Gefangenen im Iran hingerichtet.


Jetzt hat Maryam Akbari Monfared offiziell Beschwerde erhoben gegen das Gefängnis und die Anklagebehörde in Teheran aufgefordert, den Tod ihres Bruders und ihrer Schwester zu untersuchen, die im Sommer 1988 hingerichtet wurden, während sie ihre Urteile zu Gefängnis ableisteten.Sie hat die Angehörigen anderer Opfer der (Morde und des Massakers in den) 1980ern gebeten, offiziell zu verlangen, dass „die Anklageschriften der Opfer und derer, die in den 1980ern hingerichtet worden sind, zugänglich gemacht und veröffentlicht werden“. Sie hat die Angehörigen außerdem aufgefordert, zu verlangen und nach zu verfolgen, „dass und wie den Planern und Tätern der Hinrichtungen in den 1980ern und des Massakers an politischen Gefangenen im Jahr 1988 der Prozess gemacht und dass die Namen derer, die im Kharavan Friedhof und in anderen Massengräbern beerdigt wurden, bekannt gegeben werden“.Maryam Akbaris Lebensgeschichte ist bitter und voller Höhen und Tiefen.

Sie selbst wurde im Dezember 2009 verhaftet nach den Aufständen von 2009 und den Ashura-Protesten. Am 1. Juni 2010 hat der berüchtigte Richter Salavati sie zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen des Vorwurfs der „Moharebeh (Kriegführung gegen Gott)“ durch ihre Mitgliedschaft in der PMOI.Maryam hat die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen, aber Richter Salavati hat nur den einen Satz zu ihr gesagt: „Sie leiden (sind verurteilt) wegen ihrer Geschwister”. Vier der Brüder und Schwestern waren zuvor vom Regime unter der Anklage der Unterstützung der PMOI hingerichtet worden. Mehrere Mitglieder ihrer Familie leben jetzt in Albanien, aber sie darf sie nicht treffen.Nachdem sie jetzt das 7te Jahr ihres Strafmaßes im Gefängnis verbringt, hat sie sich entschlossen, Beschwerde gegen die Täter des Massakers von 1988 zu erheben. Sie hat einen quälenden Brief geschrieben, in dem sie sagt:  „Viele derjenigen, die 1988 hingerichtet worden sind, darunter meine Schwester und mein Bruder, sind schon zu Gefängnis verurteilt worden. Sie wurden Gerichten vorgeführt, die nur wenige Minuten tagten, ohne dass es zu einem richtigen Prozess gekommen ist und ihre Verbrechen bestanden höchstens darin, Zeitschriften (die von der PMOI veröffentlicht worden waren) gelesen oder verteilt oder sich an friedlichen Demonstrationen beteiligt zu haben“. Abdolreza Akabari Monfared, der jüngere Bruder in der Familie, wurde 1980 im Alter von 17 verhaftet und „sein Verbrechen war die Verteilung der „Mudschahed“ Zeitschrift. Er hat volle drei Jahre in Einzelhaft im Gohardasht (Rajaei Shahr) Gefängnis verbracht“. Er war zu drei Jahren Gefängnis verurteilt,   aber bis zum Sommer 1988 gefangen gehalten und dann im Zuge des Massakers an den politischen Gefangenen hingerichtet worden.Gholamreza Akbari Monfared, ein weiterer Bruder von Maryam, wurde 1983 verhaftet und 1985 hingerichtet.Ein dritter ihrer Brüder, Alireza Akbari Monfared, wurde am 8. September 1981 ebenfalls verhaftet und 11 Tage später am 19 September des gleichen Jahrs im Gefängnis hingerichtet. „Die ganze Zeit seiner Haft, der Verhandlung und der Vollstreckung des Todesurteils betrug nur 10 Tage. Bei der Gedenkfeier am siebenten Abend nach seinem Tod sind Agenten des Regimes in unser Haus eingedrungen und haben mehrere Personen verhaftet und ins Evin Gefängnis in die Abteilung des gemeinsamen Komitees  gebracht. Unter den Verhafteten waren meine Mutter und meine Schwester Roghiyeh Akbari Monfared“, schreibt Maryam.Das Strafmaß ihrer Mutter war nicht hoch und sie wurde nach 5 Monaten entlassen. Aber Maryams Schwester Roghiyeh blieb im Gefängnis und wurde später von einem Gericht zu 8 Jahren Haft verurteilt, die im Sommer 1988 mit der Hinrichtung im Zuge des Massakers an politischen Gefangenen endete.In einem anderen Teil ihres Briefes beschreibt Maryam das Schicksal ihres Vaters, der keine Möglichkeit erhielt, seine Kinder noch einmal in Camp Ashraf zu besuchen, bevor er verstarb. Maryam dazu in ihrem Brief: „Mein Vater Ali Osat Akbari Monfared verstarb 2005 nach Jahren des Leidens wegen der Inhaftierung und der Hinrichtung seiner Kinder und der Enttäuschung darüber, seine anderen Kinder, die zu der Zeit in Camp Ashraf waren, nicht treffen zu können, weil dies [vom Regime] untersagt und als Verbrechen angesehen wurde. Heute sind einige der Mitglieder meiner Familie – darunter mein Bruder, meine Schwester, mein Neffe und meine Nichte – in Albanien und es ist uns nicht gestattet, sie zu besuchen“.Außer Maryam verbüßt ein anderer ihrer Brüder, Reza Akbari Monfared, 63, seine Strafe von 17 Jahren Gefängnis in der Anstalt Gohardasht. In Bezug auf den Druck, der den Angehörigen der Morde und des Massakers des Regimes von 1988 schreibt Maryam: „All der Druck, der auf uns lastet, wird jetzt auch unseren Angehörigen auferlegt und zieht ihr Leben in Mitleidenschaft. Viele Familien wurden von all den Leiden zerrissen und andere haben physische und psychische Krankheiten bekommen. Manche waren gezwungen, aus dem Land zu fliehen und anderswohin zu migrieren, und viele leben [isoliert] in einer privaten Ecke. Verhaftung und Internierung der geliebten Angehörigen waren wie eine Entführung. Wir haben nichts über ihr Strafmaß oder ihren Aufenthaltsort erfahren“.Wie sie erzählt, haben nach den Hinrichtungen [die Agenten der Mullahs] nicht nur den letzten Willen und das Testament der Hingerichteten nicht ihren Angehörigen überlassen, sondern sich auch „geweigert, die Leichname an die Angehörigen zu übergeben, und ebenso den Ort der Beerdigung geheim gehalten. Sie haben uns nach all den Jahren nicht einmal erlaubt, eine Gedenkzeremonie (zur Trauer) für unsere Lieben abzuhalten. Zuerst haben sie uns bedroht und einen Friedhof ohne Namen, der jetzt als Kharavan Friedhof bekannt ist, wo unsere Lieben begraben liegen, vor uns verschlossen. Dann haben sie die Gräber unserer Lieben aufgewühlt und die Grabsteine zerstört“.Es scheint, dass nach der Veröffentlichung einer Tonbandaufzeichnung Maryams Trauer wieder auflebte. In der Aufzeichnung stellt Ajatollah Montazeri, der frühere stellvertretende Oberste Führer und Khomeinis designierter Nachfolger, das Massaker von 1988 an 30.000 politischen Gefangenen im Iran bloß und kritisiert die Mitglieder der „Todeskommission“ in Teheran scharf, darunter Mostafa Pour-Mohammadi (derzeitiger Justizminister in Rohanis Regierung), Hossein-Ali Nayeri, Morteza Estraghi und Ebrahim Raeisi, die für das Massaker Verantwortlichen. Auf Grund der Tonbandaufzeichnung glaubt Maryam, dass die Hinrichtung politischer Gefangener, darunter ihrer Schwester und ihres Bruders, im Jahr 1988 illegal und gesetzeswidrig war.
Nach einem neuen Gesetz über richtige Verfahren und die Angemessenheit der Strafen, sollte Maryam Akbari Monfared jetzt aus dem Gefängnis entlassen werden, aber ihr Antrag für Neuaufnahme und für die Anwendung des neuen Gesetzes liegt jetzt monatelang im Ermessen des Obersten Gerichts und wird von ihm geprüft.In dieser Zeit ist ihr nicht einmal eine Beurlaubung wegen der Operation ihrer Tochter erlaubt. Sie beschließt ihren Brief mit folgenden Worten: „Während ich diesen Brief schreibe, weiß ich nicht, welches Schicksal mich nach der Veröffentlichung dieses Briefes erwartet. Aber im Wissen um alle möglichen Konsequenzen verlange ich eine Klarstellung, wie das Massaker von 1988, besonders an meiner Schwester und meinem Bruder, ausgeführt worden ist“.