Iran 2025: Dokumentierte Hinrichtungswelle – und dennoch wächst der Protest
- Dezember 2025 – Trotz einer nach Oppositionsangaben beispiellosen Hinrichtungswelle hat sich die Protestdynamik in Iran zum Jahresende erneut verschärft. Das Zentrum für Menschenrechte des Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI) spricht von einem „dunklen Jahr“: 2.201 Gefangene seien 2025 hingerichtet worden – ein historischer Höchststand innerhalb der 37 Jahre der Herrschaft von Ali Khamenei.
Die Bilanz beruht auf einer detaillierten Erfassung von Namen und Hinrichtungsorten. Diese Angaben seien durch die Volksmojahedin (PMOI/MEK) „verifiziert und registriert“ und im Laufe des Jahres in NWRI-Zwischenbericten veröffentlicht worden. Der Bericht betont dabei ausdrücklich die Schwierigkeiten der Dokumentation in abgelegenen Gefängnissen und kleineren Städten – ein Hinweis darauf, dass die tatsächliche Zahl höher liegen könnte.
Die Entwicklung ist auch im Zeitvergleich dramatisch: 2025 liegt die Zahl der Exekutionen rund 120 Prozent über 2024 (1.006), 160 Prozent über 2023 (853) und 280 Prozent über 2022 (582). Besonders auffällig ist die Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte: In den letzten sechs Monaten hat es mehr als doppelt so viele Hinrichtungen gegeben wie in den ersten sechs Monaten. Allein Dezember 2025 verzeichnete der Bericht 376 Exekutionen – eine Zahl, die „in den letzten 37 Jahren“ ohne Beispiel sei.
Der NWRI beschreibt zudem eine geografische Ausweitung: Hinrichtungen seien in 97 Städten in 31 Provinzen registriert worden (im Vorjahr 77 Städte). Unter den Hingerichteten seien mindestens 64 Frauen – nahezu doppelt so viele wie 2024 (34). Außerdem seien sechs jugendliche Straftäter exekutiert worden. Hinzu kämen 13 öffentliche Hinrichtungen, fast dreimal so viele wie im Vorjahr (5). Die dokumentierten Opfer reichten demnach von 18 bis 71 Jahren; das Durchschnittsalter der 881 Fälle mit bekannten Altersangaben liege bei 36 Jahren.
Politisch brisant ist auch der Umgang mit Oppositionellen: Die Verhängung von Todesurteilen gegen politische Gefangene wegen angeblicher Mitgliedschaft in der MEK hat 2025 deutlich zugenommen; 18 politische Gefangene stehen derzeit unter diesem Vorwurf „in Erwartung der Hinrichtung“ – im Alter von 22 bis 68 Jahren. Parallel laufe ein Prozess in Abwesenheit gegen 104 Mitglieder und Funktionäre des iranischen Widerstandes – so der Bericht – den Weg für weitere Hinrichtungen und Repression ebne.
Gleichzeitig verweist die Dokumentation auf wachsenden Widerstand – sogar hinter Gefängnismauern: Die Kampagne „No to Execution Tuesdays“ habe sich ausgeweitet; Gefangene in 55 Gefängnissen träten demnach jeden Dienstag in Hungerstreik.
Und draußen? Ende Dezember kam es zu einer neuen Protestwelle, ausgelöst durch die Währungskrise: Händler schlossen Geschäfte, Demonstrationen breiteten sich von Teheran auf weitere Städte aus, teils kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften; die Regierung kündigte Gespräche an. In diesem Spannungsfeld sind die Massenhinrichtungen als Einschüchterungsstrategie zu sehen – und die anhaltenden Streiks und Bürgerproteste als Zeichen, dass die Angstpolitik ihre Wirkung verliert.
Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI)
