UNO-Expertin enthüllt eskalierende Unterdrückung, Hinrichtungen und Internetsperren durch das iranische Regime

Ein neuer UN-Bericht dokumentiert zunehmende massive Menschenrechtsverletzungen gegen Demonstrierende, politische Gefangene, Menschenrechtsverteidiger, Anwälte, Journalisten, Frauen sowie Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten im Iran.

Die UNO-Sonderberichterstatterin Mai Sato (Bild) hat am 28. Oktober ihren neuen Bericht zur Menschenrechtslage im Iran vorgestellt. Im für Menschenrechte zuständigen Dritten Ausschuss der UN-Generalversammlung schilderte Mai Sato im Detail Menschenrechtsverletzungen des Teheraner Regimes, darunter Hinrichtungen von Demonstrierenden, Massenverhaftungen, das gewaltsame Verschwindenlassen von Personen sowie systematische Bemühungen, Opfer zum Schweigen zu bringen und Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen.

Der Bericht, der den Zeitraum von Februar bis August 2026 umfasst, dokumentiert die Ausweitung der Repressionen seit den landesweiten Freiheitsprotesten vom Januar 2026. Demonstrierende, politische Gefangene, Menschenrechtsverteidiger, Anwälte, Journalisten, Frauen sowie Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten sind weiterhin massiv von der Unterdrückung betroffen.

Mindestens 34 Demonstrierende hingerichtet – Zahl der Todesurteile steigt
Nach Angaben der Sonderberichterstatterin gab es seit Januar 2026 Tausende von Verhaftungen unter dem Vorwand der Gefährdung der nationalen Sicherheit. Viele der Festgenommenen werden an unbekannten Orten ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Im Zusammenhang mit den Januar-Protesten wurden mindestens 34 Menschen hingerichtet, darunter mindestens fünf öffentlich. Zahlreiche weitere inhaftierte Demonstranten – darunter Frauen und Kinder – sind in Hinrichtungsgefahr.

Diese Fälle zeigen, wie das Regime die Todesstrafe einsetzt, um abweichende Meinungen zu bestrafen und weitere Proteste zu verhindern. In einem von Mai Sato hervorgehobenen Fall standen 34 Erwachsene in nur fünf Tagen vor Gericht. Zwölf von ihnen wurden zum Tode verurteilt, sieben von ihnen wurden bereits hingerichtet. 

0926-Genf-400

Vor der UNO-Zentrale in Genf rufen Menschenrechtler die Weltgemeinschaft immer wieder zum Einsatz gegen die Hinrichtungen im Iran auf.

Internetsperren verschleiern das Ausmaß der Unterdrückung
Die vom Regime verhängten Kommunikationsbeschränkungen erschweren die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und isolieren die Menschen im Iran zunehmend von der Außenwelt, heißt es in dem Bericht weiter. UNO-Ermittlungen zufolge hat das iranische Regime nach den Protesten im Januar die längste landesweite Internetsperre in der Geschichte des Landes verhängt, die fast fünf Monate andauerte. Diese Sperre schränkte den Zugang zu Informationen in einer Zeit ein, die von weitverbreiteten Tötungen, Verhaftungen und Ungewissheit über das Schicksal der Inhaftierten geprägt war.

Inhaftierte waren Folter und anderen Formen der Misshandlung ausgesetzt. Angehörige hatten große Schwierigkeiten, den Aufenthaltsort und das Schicksal ihrer Verwandten – darunter auch Kinder – in Erfahrung zu bringen; die Einschränkungen bei der Kommunikation und beim Zugang zu Informationen verschärften ihr Leid zusätzlich.

Die UNO geht davon aus, dass im Zusammenhang mit den landesweiten Freiheitsprotesten im Januar weit mehr als 3000 Menschen getötet wurden. Unter den dokumentierten Todesfällen sind mindestens 221 Kinder, von denen das jüngste gerade einmal vier Monate alt war.

Anwälte, Frauen und Minderheiten sind systematischer Verfolgung ausgesetzt
Der Bericht von Mai Sato beschreibt ein Unterdrückungsmuster, das weit über die Verfolgung von Demonstrierenden hinausgeht. Anwälte, Journalisten, Frauen und Mädchen sowie ethnische und religiöse Minderheiten sind vielfältigen, sich überschneidenden Formen von Diskriminierung, Einschüchterung und Bestrafung ausgesetzt. Anwälte, die Demonstranten vertreten, wurden vorgeladen, bedroht und in einigen Fällen verhaftet.

Frauen und Mädchen sind weiterhin systematischer Diskriminierung und der gewaltsamen Durchsetzung des Schleierzwangs ausgesetzt. Den Frauen, die sich der Unterdrückung widersetzen, drohen vielfältigen Bestrafungen.

Auch religiöse Minderheiten bleiben gefährdet. Bahai und zum Christentum konvertierte Christen sind weiterhin Verfolgung und willkürlichen Verhaftungen ausgesetzt, wobei das Regime Minderheitengemeinschaften zunehmend zu Sündenböcken macht.

Die Ergebnisse des Berichts deuten auf eine anhaltende Unterdrückungskampagne im Iran hin, in der sich Hinrichtungen, Massenverhaftungen, Informationsblockaden und Einschüchterungen gegenseitig verstärken. Indem das iranische Regime friedlichen Dissens als Sicherheitsbedrohung einstuft, verwehrt es den Opfern und ihren Angehörigen weiterhin einen wirksamen Zugang zu Wahrheit und Gerechtigkeit.

Mai Sato unterstrich in ihren Ausführungen die Notwendigkeit einer dauerhaften internationalen Beobachtung der Menschenrechtslage im Iran, des Schutzes von Zeugen und Menschenrechtsverteidigern sowie der strafrechtlichen Verfolgung der für die Repression Verantwortlichen. Sie forderte das iranische Regime auf, die Hinrichtungen unverzüglich zu stoppen, willkürliche Inhaftierungen zu beenden und eine unabhängige Überwachung der Menschenrechtslage im Land zuzulassen.